Tages-Anzeiger vom 4. Mai 2009

MONTAG, 04. MAI 2009 ZÜRCHER UNTERLÄNDER

Die Spielleute von Seldwyla haben spielerisch überzeugt. Die Resonanz auf das Stück fiel unterschiedlich aus - von Begeisterung bis «nicht schlecht». (ct)

Spielleute von Seldwyla überraschen mit einem tragikomischen Theaterstück
Die obszönen Weiber von Ybrig

Zu lachen gibt es wenig, zu denken dafür mehr. Die Spielleute von Seldwyla haben in ihren Rollen an der Premiere brilliert - trotz des tragikomischen, im Publikum umstrittenen neuen Stücks.
Céline Trachsel

Das neue Theaterstück «De Franzos im Ybrig» gerät als ernste Komödie oft an die Grenze der Obszönität, was aber nur wenige an der Premiere am Samstag in Bülach verstanden haben. Die versteckten Witze waren nicht immer bis in die hintersten Reihen verständlich, was Eltern mit ihren Kindern wohl gerade recht gekommen ist. Das Stück hat Thomas Hürlimann für die 700-Jahr-Feier der Schweiz geschrieben. Die Sprache klingt teils platt, teils ungehobelt und teils bäuerlich, ganz wie es die Geschichte verlangt. Doch trotz des absehbaren Verlaufs des einen Erzählstrangs steckt die Würze in der Tiefe. «Es ist ein Stück, bei dem man mehr und mehr Anekdoten entdeckt, je öfter man es sieht», weiss die Regisseurin Susanne Zürrer. «Man muss es im Nachhinein noch auf sich wirken lassen.»

«Die Figuren waren anspruchsvoll»

Die Resonanz im Publikum fiel unterschiedlich aus. Obwohl während der Vorführung nur wenige Lacher den Saal belebten, fanden die einen das Stück «lässig», «witzig» bis «hervorragend». «Nicht schlecht» fand der Bülacher Gion Schellenberg die Aufführung, für seine Frau Anja kam das Ende aber zu abrupt. Für Anita Oetiker aus Bülach waren «die Witze cool», wohingegen Urs Wegmanns Beurteilung «alles in allem gut, aber nicht nur lustig» war. «Vielleicht hatte ich zu grosse Erwartungen», schätzt Wegmann; sein Kollege Michael Bont findet: «Die Aufführung vom letzten Jahr war besser.» In einem Punkt waren sich alle einig: Die Spielleute von Seldwyla haben die Rollen hervorragend gespielt. «Die Figuren waren sehr anspruchsvoll», erklärt die Regisseurin, «nur unsere erfahrenen Spielleute können diese so gut spielen. Auch sie brauchten manchmal viel Überwindung.»